Studie 

Ambulante und stationäre Versorgungslage für traumatisierte Menschen (Chantal Ruchti & Sereina Petra Lerch, Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy).

Diese Studie zeigt deutlich das Fehlen von entsprechenden Therapieangeboten und fachspezifischem Personal. Wir erleben dies in unserem täglichen Alltag.

Ruchti schätzte, dass es in der Deutschschweiz 134'133 potenziell Betroffene mit PTBS und DIS gibt. Die Berechnung beruht auf der Annahme von 2% der Bevölkerung in der Deutschschweiz, was einer vorsichtigen Schätzung entspricht. Traumatherapeut:innen konnten in der deutschsprachigen Schweiz 500 identifiziert werden. Die Anzahl Therapeut:innen wurde über die Verzeichnisse der SITT (Schweizerische Institut für Trauma Therapie), SIPT (Schweizer Institut für Psychotraumatologie), und DeGPT (Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie) sowie Fachverband EMDR Schweiz ermittelt. Die ambulanten Psychiatrie-Pflegefachpersonen konnten über das VAPP (Verein Ambulante Psychiatrische Pflege) eruiert werden und sind 316 Fachpersonen.

Somit liegt der Durchschnitt gemäss Ruchti bei 6.58 Therapeut:innen pro 100'000 Einwohner. Der Mittelwert beträgt 408 Patient:innen pro Therapeut:in. Bei den ambulanten Psychiatrie-Pflegefachpersonen kamen im Schnitt 6.45 dieser Fachkräfte auf 100.000 Einwohner.

Von 26 deutschschweizer Kliniken haben lediglich 24% eine traumaspezifische Station.  Fünf Kliniken bieten auch insgesamt 90 ambulante Therapieplätze an. 

Die Wartezeit auf einen stationären Therapieplatz beläuft sich durchschnittlich auf 4.5 Monate und ambulant wartet man im Schnitt 10.9 Monate auf ein Therapieangebot. 

Die Analyse zeigt, dass ein:e Traumatherapeut;in durchschnittlich 408 Patient:innen mit einer PTBS oder DIS behandeln müsste und auf eine traumaspezifisch ausgebildete Psychiatriepflegefachperson 792 Patien:innen kommen. 

Ruchti bemängelt die defizitäre Versorgungslag von Menschen mit einer Traumafolgestörung. Ambulant wie auch Stationär sind viel zu wenig Plätze vorhanden. Ebenso weist Sie darauf hin, dass eine nicht spezifische Traumatherapie bei traumatisierten Patient:innen Schaden anrichten kann. Die Leitlinien der DeGPT besagen, dass allen von PTBS und DIS Betroffenen eine traumaspezifische Therapie angeboten werden sollte. Ausserdem sind die stationären Angebote konzentriert in den Kantonen Zürich, Thurgau und Aargau zu finden. Sie zeigt auf, dass es zwingend nötig ist die Versorgungslage zu verbessern, da sie in der Vergangenheit ungünstig war und sich aktuell weiter verschlechtert.  


Hier der Link zur ausführlichen Studie:  https://www.swisshealthweb.ch/fileadmin/assets/SANP/2024/sanp.2024.1189188975/sanp-2024-1189188975.pdf


Istanbul Konvention

Die Istanbul-Konvention, die am 1. April 2018 für die Schweiz in Kraft trat, ist das umfassendste internationale Übereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt jeder Art. Sie setzt sich das Ziel, diese Art von Menschenrechtsverletzungen zu bekämpfen. Im Rahmen dieser Konvention sind die Rechte von Opfern zentral. Opferschutz steht dabei im Fokus, inklusive Zugang zu Psychotherapie für angemessene Betreuung und Hilfe. Die Konvention erkennt die Bedeutung psychischer Gewalt an und fordert wirksamen Rechtsschutz für Opfer, einschließlich Zugang zu entsprechender Psychotherapie. In der Schweiz wurde ein Nationaler Aktionsplan 2022–2026 zur Umsetzung der Konvention verabschiedet, der sich auf Information, Sensibilisierung, Aus- und Weiterbildung sowie Prävention und Bekämpfung von sexualisierter Gewalt konzentriert. Aus unserer Sicht wird jedoch oft die Bedeutung der Folgen für Opfer von Gewalt jeder Art unterschätzt und zu wenig berücksichtigt. Daher ist es dringend erforderlich, die Versorgung und Unterstützung für Opfer von Gewalt, insbesondere hinsichtlich ihrer Traumafolgen, zu verstärken.

Quellen:
https://www.ebg.admin.ch/ebg/de/home/Themen/recht/internationales-recht/conseil-de-l-europe/Istanbul-Konvention.html
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-70247.html
https://www.ebg.admin.ch/de/istanbul-konvention
https://www.humanrights.ch/de/ipf/grundlagen/rechtsquellen-instrumente/europarat/istanbul-konvention/